Andreas Nordheim (Kornett / Piano / Perkussion)
Andreas Nordheim (Kornett / Piano / Perkussion)

Texte

I

 

eines der schönsten deutschen

wörter heißt lampenfieber

schon eine komische sache

 

wie ein scheinwerfer licht

unsere gemütlichkeit erhitzt
oder doch eher ein inneres

 

flimmern zittern unruhig und

auf geregt weil wir unbedingt
wollen dass es gut wird

 

 

II

 

klavier spielen ist ganz leicht

jeder wirklich jeder auch jede
kann und soll es probieren

 

drückt einfach auf eine oder

auch auf mehrere tasten

und schon kommt ein ton

 

hört wie er langsam verklingt

schwierig dagegen ist ge

spielte töne lieben lernen

 

 

III

 

ab und zu habe auch ich

und ebenso du das recht

zu tun was wir mögen

 

zum beispiel mit selbst

bemalten tanzschuhen

barfuß denken fallender weise

 

statt schnur straks einen
strick zu kaufen und uns
auf zu knüpfen zu künftig

 

 

IV

 

gesetze kann mann und frau
lernen doch helfen sie nur
begrenzt die welt verstehen

 

vermutlich könnten wir bei

genauer beobachtung noch

allerlei ungeregeltes entdecken

 

wahr scheinlich erscheint das
hier eben nur scheinbar ein
deutig wahrheit beginnt zu zweit

 

 

V

 

da kommt schon wieder
eine welle rauscht heran
und ist gleich weg

 

und da gleitet abermals
eine brausend und schnell

erneut verschwindend

 

und soeben bemerke ich
noch eine weitere tosende
woge die rasch vergeht

 

 

VI

 

punktuell betrachtet verbinden

sich schon wenige punkte

zu einer kleinen linie

 

einzelne punkte können eine
linie auch schnell und über
raschend unter brechen

 

ein dutzend punkte reicht aus

genug an vielfalt braucht

nur noch pausen und puls

 

 

VII

 

schwarz maler und schön färber

bedauernswerte geschöpfe vom

leid zerdrückt vom glück besoffen

 

wohl und weh ergießt sich

über jeden schopf und

lässt ihn samt wanken

 

lachen und weinen wird der

mensch wenn er merkt so ist
es vergisst wie es sein sollte

 

 

VIII

 

meist ist der nächste schritt

schon klar seine richtung

vorgezeichnet durch das

 

gegangene es braucht nur

etwas mut zu halten wenn

manches sich leicht ändert

 

beweglich bewegend spüren

wie gewicht sich verlagert

und der weg sich vollzieht

 

 

IX

 

applaus klingt wie ein warmer
regen beifällig unvorhersehbar

zuweilen etwas tröge verbeugend

 

je stärker das klatschen um so

mehr wächst meine unsicherheit

hatte ich claqueure bestellt

 

wichtiger im wort steckt ein
wicht als kollektive resonanz ist

dass wir ins gesprech kommen

 

 

X

 

meer im sommer ich schwimme

an die grenze so weit das auge
reicht trau ich mich so wie so nicht

 

meerkatzen malend sei ich

von der straße weg nach
dem roten faden suchend

 

bin ich traurig spring ich

von moment zu elegant

mehr katze als verstand

 

 

XI

 

eine junge schöne tastatur tippt

geduldig und mit anmut jede menge
blöd & schwach sinn in die welt

 

doch mit der zeit verwelken
anmut und geduld der adminis
trator wird zur last und lästig

 

zum glück tanzen unter tasten

noch beschwingte träume

wollen fliegen feiern rebellieren

 

 

XII

 

in ruhe eine reihe spüren

die einzelnen farben sehen

merken wie es bunt wird

 

aus einer linie baut sich langsam
ein ganzes gebilde es gilt

architektenregel nr 1 das haus

muss stehen bleiben hast du die
schule der geläufigkeit durch laufen
im kinder garten der betonung gespielt

 

 

XIII

 

in der mitte etwas weglassen

und unvermittelt stehen wir

am abgrund denken heißt zögern

 

zarter verzicht nicht weil ich

schwach bin sondern in

weit sicht und innerlich sicher

 

große kunst ist zurück haltung
üben ohne dreiste gewalt an
wendung zu provozieren

 

 

XIV

 

formulieren der wunsch dem
denken eine form geben dabei

die bedeutung wieder holen

 

jedes wort mit dem mund
durchkauen später mit dem
stift in der hand nachzeichnen

 

am ende mit dem gehirn ans herz
binden nichtdenken ist ausgesprochen
schwierig unausgesprochen auch

 

 

XV

 

wenn du liebst erfindest
du die welt neu keine
ente bleibt was sie war

 

angesteckt durch spiegel
neuronen eifert dir jedes
wesen von dir umgarnt nach

 

ab und zu pausieren ist
gut denn bunte viel falt

erblüht und wächst nur mit kraft

 

 

XVI

 

hart wie stein und gleich

darauf so leicht wie faden

da zwischen immer atmen

 

das schleudert dich durch

alle raster und du kriegst

dein eigen artiges profil

 

ob orient ob neue welt ob

oben unten innen und auch
außen halb du nun ganz

 

 

XVII

 

zwei stimmen gleich zeitig sind

mittler weile in urbanen schall

räumen keine rand erscheinung

 

immer fort singt in fast jeder
ecke fröhlich eine stimme zeugend

unbeirrtes grund & rauschen

 

früher verwirrten sich im kontra

punkt gegen punkt alle stimmen
kämpften stark mit zentration

 
 

XVIII

 

jede stelle trifft mich des

halb tuch fühlen ton bilden

lieb kosen zärtlich sein

 

lässt's mich beben hüpfen oder

dreht der druck das deuten dann

achtsam sein für den neunten leib

 

grämt's mich wie sich alles so ent
zaubert werd ich müd ich will bis

weilen warten ob's noch wandelt

 

 

XIX

 

wohl wollend tickt die uhr

den zeiger treibt der takt

mein leben ist gestundet

 

wohl klingend rauscht der baum

die zweige biegt der wind

auch freunde werden älter

 

wohl allen die all ein

mit menschen tanzt der tod

ich wünsch euch wohl ergehen 

 

 

 

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© Andreas Nordheim